Die Kanaren gelten als Ganzjahresziel, und das stimmt auch: Frost an der Küste gibt es nicht, drückende Hitze ist die Ausnahme. Trotzdem unterscheiden sich die Monate deutlich – beim Wind, bei der Wassertemperatur, beim Regenrisiko und bei der Zahl der Urlauber. Dieser Überblick hilft Ihnen, den passenden Zeitraum für Ihre Pläne zu finden, egal ob Sie baden, wandern, surfen oder einfach dem deutschen Winter entkommen möchten.
Warum das Klima der Kanaren so ausgeglichen ist
Die Inseln liegen auf der Höhe der Sahara, sind aber deutlich milder als das afrikanische Festland. Dafür sorgen zwei Faktoren: der kühle Kanarenstrom, der das Meer und damit die Luft temperiert, und der Nordostpassat, der fast das ganze Jahr über weht. An den Küsten liegen die Tageswerte im Winter meist um die 20 Grad, im Sommer überwiegend zwischen 25 und 30 Grad.
Wichtiger als der Kalender ist oft die Lage Ihres Urlaubsorts. Auf den hohen Inseln staut der Passat feuchte Luft an den Nordhängen: Dort ist es grüner und häufiger bewölkt. Die Südküsten liegen im Windschatten und sind sonniger und trockener. Dazu kommt die Höhe – in den Bergen ist es zu jeder Jahreszeit spürbar kühler als am Strand. Welche Insel zu welchen Vorlieben passt, lesen Sie im Überblick Welche Kanareninsel passt zu mir?.
Die vier Jahreszeiten auf den Kanaren
Winter: Dezember bis Februar
Der Winter ist die klassische Hochsaison für Urlauber aus Mittel- und Nordeuropa. Tagsüber ist es an den Südküsten angenehm warm, abends brauchen Sie eine Jacke. In diese Zeit fällt allerdings auch der größte Teil des Jahresniederschlags: Ziehen Tiefdruckgebiete über den Atlantik, kann es einige Tage lang regnen und stürmen, vor allem auf den westlichen Inseln und an den Nordseiten. Auf dem Teide liegt dann häufig Schnee.
Frühling: März bis Mai
Das Wetter wird stabiler, die Inseln sind nach dem Winterregen so grün wie sonst nie. Für Wanderer ist das die schönste Zeit. Das Meer ist nach dem Winter allerdings am kühlsten. Rund um Ostern sind die Inseln gut gebucht, davor und danach wird es ruhiger.
Sommer: Juni bis September
Der Sommer ist nahezu regenfrei. Der Passat weht jetzt am kräftigsten und macht die Wärme an der Küste gut erträglich. An den Nordküsten bildet sich häufig eine tiefe Wolkendecke, die die Einheimischen „Panza de burro“ nennen, den „Eselsbauch“ – besonders bekannt ist sie aus Las Palmas de Gran Canaria. Im Süden und oberhalb der Wolken scheint derweil die Sonne. Im Juli und August machen auch viele Spanier vom Festland Urlaub auf den Inseln.
Herbst: Oktober und November
Das Meer hat jetzt seine höchsten Temperaturen, der Wind lässt nach, die Sommergäste sind abgereist. Viele Kenner halten den frühen Herbst deshalb für die beste Badezeit. Im November können die ersten Regengebiete der Saison eintreffen.
Wetter Monat für Monat
- Januar: mild und wechselhaft, im Süden viel Sonne, im Norden und in den Bergen öfter Regen. Ende des Monats beginnt in höheren Lagen die Mandelblüte.
- Februar: ähnlich wie der Januar. In Santa Cruz de Tenerife und Las Palmas wird Karneval gefeiert, je nach Jahr im Februar oder März – dann sind Unterkünfte dort früh ausgebucht.
- März: die Regenwahrscheinlichkeit sinkt, die Landschaft ist grün. Das Meer ist frisch.
- April: stabiles Frühlingswetter, ideal zum Wandern. Zu Ostern voller.
- Mai: warm, trocken und vergleichsweise ruhig – ein guter Monat für alle, die nicht an Schulferien gebunden sind.
- Juni: sommerlich und noch nicht überlaufen. Der Passat frischt auf.
- Juli: Hochsommer mit kräftigem Wind, vor allem auf Fuerteventura und Lanzarote. Hochsaison.
- August: der wärmste und zugleich einer der vollsten Monate. In den Wäldern der westlichen Inseln besteht Waldbrandgefahr.
- September: weiterhin sehr warm, das Meer ist angenehm, der Andrang lässt nach.
- Oktober: warmes Wasser, weniger Wind, selten Regen – für Badeurlauber einer der angenehmsten Monate.
- November: noch warm, aber wechselhafter. Erste Regentage sind möglich.
- Dezember: mild, mit Sonne im Süden und gelegentlichen Regenfronten. Über Weihnachten und Silvester herrscht Hochbetrieb.
Wassertemperatur: Der Atlantik bleibt frisch
Wer das Mittelmeer im Hochsommer gewohnt ist, wird auf den Kanaren überrascht sein: Der Atlantik erwärmt sich hier deutlich weniger. Am kühlsten ist das Wasser am Ende des Winters mit etwa 18 bis 19 Grad, am wärmsten im Spätsommer und frühen Herbst mit etwa 22 bis 24 Grad. Baden ist also das ganze Jahr über möglich, im Winter aber eher etwas für Unempfindliche. Für Familien mit kleinen Kindern sind Hotelpools in den Wintermonaten oft die angenehmere Wahl – achten Sie bei der Buchung darauf, ob der Pool beheizt ist.
Wind, Calima und Regen: was Sie einplanen sollten
- Passat: Im Sommer weht er am stärksten. Für Wind- und Kitesurfer ist das die beste Zeit, am Strand kann der fliegende Sand dagegen lästig werden. Windgeschützte Buchten finden Sie eher an den Süd- und Südwestküsten.
- Calima: Bei dieser Wetterlage trägt Ostwind Staub aus der Sahara auf die Inseln. Die Sicht wird trüb, die Luft trocken und ungewöhnlich warm. Calima kann zu jeder Jahreszeit auftreten und hält meist nur wenige Tage an. Bei starkem Staub empfehlen die Behörden, körperliche Anstrengung im Freien zu vermeiden.
- Winterregen: Starke Regenfälle sind selten, können aber Wanderwege und Bergstraßen vorübergehend unpassierbar machen. Die östlichen Inseln Lanzarote und Fuerteventura bleiben auch im Winter sehr trocken.
- Waldbrandgefahr: In trockenen Sommern werden Wanderwege und Grillplätze in den Wäldern zeitweise gesperrt. Halten Sie sich an Sperrungen und Hinweise der Inselverwaltungen.
Die beste Reisezeit nach Urlaubsart
- Baden und Strand: Juni bis Oktober, mit dem wärmsten Wasser im September und Oktober.
- Wandern: Oktober bis Mai. Im Hochsommer ist es in den sonnigen Lagen sehr warm, und Sperrungen wegen Waldbrandgefahr sind möglich. Anregungen finden Sie im Beitrag über Wanderungen auf den Kanaren.
- Wind- und Kitesurfen: die Sommermonate mit dem kräftigsten Passat.
- Wellenreiten: Herbst und Winter, wenn die Atlantikdünung am stärksten ist.
- Dem Winter entfliehen: November bis März – wählen Sie dafür einen Ort an einer Südküste oder eine der trockenen Ostinseln.
- Ruhe und günstigere Preise: Mai, Juni sowie die Wochen zwischen den Herbstferien und Weihnachten.
Hochsaison und Nebensaison
Die Kanaren haben zwei Hochsaisons: den Winter von Weihnachten bis Ostern und die Sommerferien im Juli und August. Dazu kommen die Herbstferien, in denen viele Familien aus Deutschland anreisen. In diesen Zeiten sind Flüge, Unterkünfte und Mietwagen stärker nachgefragt, und beliebte Ausflugsziele sind voller. Wer zeitlich flexibel ist, findet im späten Frühjahr und im Spätherbst die entspannteste Atmosphäre bei immer noch gutem Wetter.
Häufige Fragen
Kann man im Winter auf den Kanaren baden?
Ja, aber das Wasser ist frisch. Sonnenbaden ist an den Südküsten an vielen Wintertagen problemlos möglich, für längeres Schwimmen im Meer ist es vielen Urlaubern zu kühl.
In welchem Monat regnet es am meisten?
Der meiste Regen fällt zwischen November und Februar. Die Mengen sind sehr ungleich verteilt: Die Nordseiten der hohen Inseln bekommen deutlich mehr ab als die Südküsten, Lanzarote und Fuerteventura bleiben ganzjährig trocken.
Wird es im Sommer zu heiß?
An der Küste meist nicht, weil Passat und Meer für Abkühlung sorgen. Sehr heiß wird es vor allem an Calima-Tagen, wenn die Luft aus der Sahara kommt, und dann besonders im Inselinneren.
Welche Insel ist im Winter am wärmsten?
Die Unterschiede zwischen den Inseln sind kleiner als die innerhalb einer Insel. Entscheidend ist die Lage: Die Südküsten von Teneriffa und Gran Canaria sowie die flachen Ostinseln bieten im Winter die meisten Sonnenstunden.
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Quellen
- Agencia Estatal de Meteorología (AEMET), Instituto de Meteorologia de Portugal: Atlas climático de los archipiélagos de Canarias, Madeira y Azores. Temperatura del aire y precipitación (1971–2000). 2012.
- Agencia Estatal de Meteorología (AEMET): Valores climatológicos normales – Stationsdaten der Kanarischen Inseln.
- Auswärtiges Amt: Spanien – Reise- und Sicherheitshinweise.