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Teneriffa: Norden oder Süden – wo wohnen?

Der Flug ist gebucht, die Unterkunft noch nicht – und plötzlich stehen zwei Orte zur Wahl, die auf der Karte kaum eine Autostunde auseinanderliegen: Puerto de la Cruz im Norden und Costa Adeje im Süden. Zwischen beiden steht ein Vulkan von über 3.700 Metern Höhe. Er teilt Teneriffa in zwei Hälften mit eigenem Wetter, eigenen Stränden und eigenem Alltag. Dieser Vergleich richtet sich an alle, die zum ersten Mal auf die Insel reisen und wissen möchten, auf welcher Seite sie besser aufgehoben sind.

Ein Berg, zwei Wetterlagen

Der Nordostpassat weht fast das ganze Jahr über feuchte Atlantikluft gegen die Insel. An den Nordhängen des Teide-Massivs staut sie sich, steigt auf und bildet Wolken. Der Süden liegt dahinter im Windschatten. Mehr steckt hinter dem Unterschied nicht.

Für den Urlaub heißt das: Im Norden sehen Sie mehr Grün, Bananenplantagen bis ans Meer und häufiger einen bedeckten Himmel, besonders im Sommer, wenn die Wolkendecke tief über der Küste hängt. Im Süden ist die Landschaft karg und braun, der Himmel dafür an den meisten Tagen blau. Regen fällt auf beiden Seiten vor allem im Winter, im Norden deutlich mehr als im Süden.

Die Temperaturen liegen an beiden Küsten näher beieinander, als viele erwarten. Den Unterschied macht die Sonne. Ein Wintertag mit 20 Grad fühlt sich unter Wolken anders an als am Pool in der prallen Sonne. Wie sich das Wetter über das Jahr verteilt, lesen Sie im Beitrag Beste Reisezeit für die Kanaren.

Der Süden: gebaut für den Badeurlaub

Costa Adeje, Playa de las Américas und Los Cristianos gehen fast nahtlos ineinander über. Hotels, Apartmentanlagen, eine kilometerlange Strandpromenade, Restaurants mit Speisekarten in vier Sprachen – der Süden ist eine Ferienregion, die in wenigen Jahrzehnten für Gäste errichtet wurde. Wer das weiß, wird nicht enttäuscht.

Viele der hellen Strände hier sind künstlich angelegt und durch Wellenbrecher geschützt. Das Wasser ist deshalb ruhig, der Einstieg flach, und Kinder können planschen, ohne dass die Eltern ständig auf die Brandung achten müssen. Vor der Südwestküste leben das ganze Jahr über Grindwale und Delfine; Bootstouren zu ihnen starten in mehreren Häfen der Region.

Etwas anders ist El Médano an der Südostküste. Der Ort liegt offen im Passat, hat einen langen Naturstrand und zieht Wind- und Kitesurfer an. Ruhe unter dem Sonnenschirm finden Sie dort an windigen Tagen kaum.

Was im Süden fehlt

Gewachsene Ortskerne sind selten. Eine Plaza, auf der abends die Nachbarn sitzen, eine Markthalle, eine Kirche aus dem 17. Jahrhundert: Dafür müssen Sie ein Stück ins Hinterland fahren, etwa in die Bergdörfer oberhalb der Küste, oder gleich in den Norden.

Der Norden: Städte, Gärten und schwarzer Sand

Puerto de la Cruz war schon ein Reiseziel, lange bevor im Süden das erste Hotel stand. Die Stadt hat eine Altstadt mit Fischerhafen, in der auch Einheimische wohnen und einkaufen. Oberhalb liegt La Orotava mit ihren Herrenhäusern und geschnitzten Holzbalkonen, weiter westlich das kleine Garachico, dessen Hafen ein Vulkanausbruch im Jahr 1706 unter Lava begrub.

Im Nordosten folgen die Universitätsstadt San Cristóbal de La Laguna, deren Altstadt seit 1999 zum UNESCO-Welterbe gehört, die Hauptstadt Santa Cruz und dahinter das Anaga-Gebirge. Dieses schroffe, von Lorbeerwald bedeckte Bergland ist seit 2015 UNESCO-Biosphärenreservat und eines der besten Wandergebiete der Insel.

Und das Baden? Die Strände im Norden sind aus dunklem Lavasand, die Brandung ist oft kräftig. An vielen Tagen weht die rote Flagge. Dafür gibt es Meerwasserschwimmbäder und natürliche Felsbecken in der erstarrten Lava, zum Beispiel in Garachico oder Bajamar, in denen Sie geschützt schwimmen können. Eine Ausnahme ist die Playa de Las Teresitas bei Santa Cruz: Ihr heller Sand wurde aufgeschüttet, ein Wellenbrecher hält das Wasser ruhig.

Die Westküste als dritter Weg

Zwischen den beiden Polen liegt eine Gegend, die in vielen Vergleichen untergeht: der Westen rund um Los Gigantes, Puerto de Santiago und Playa de la Arena. Die Orte sind kleiner und ruhiger als die Zentren im Süden, liegen aber ebenfalls im Windschatten und bekommen viel Sonne. Die Strände sind dunkel und eher klein, die Kulisse der Steilküste von Los Gigantes ist dafür einzigartig auf der Insel.

Von hier aus sind Sie schnell im Teno-Gebirge mit dem Bergdorf Masca. Der Nachteil: Bis nach La Laguna oder ins Anaga-Gebirge ist es von der Westküste aus am weitesten.

Wege und Fahrzeiten: was die Lage im Alltag bedeutet

Teneriffa hat zwei Flughäfen. Teneriffa Süd liegt nahe der Südostküste, Teneriffa Nord bei La Laguna. Die meisten Ferienflüge aus Deutschland landen im Süden. Wer im Norden wohnt, sollte bei der Buchung also auf den Zielflughafen achten und andernfalls eine längere Fahrt nach der Ankunft einplanen.

Zwei Autobahnen führen von Santa Cruz aus die Küsten entlang, eine nach Süden, eine nach Norden. Eine durchgehende schnelle Verbindung rund um die Insel gibt es nicht; im Nordwesten geht es auf kurvigen Landstraßen weiter. Von Puerto de la Cruz bis in die Ferienorte des Südens sind Sie mit dem Auto gut eine Stunde unterwegs, bei dichtem Verkehr rund um die Hauptstadt länger.

In den Teide-Nationalpark kommen Sie von beiden Seiten: aus dem Norden über das Orotava-Tal, aus dem Süden über Vilaflor, aus dem Westen über Chío. Die Auffahrt aus dem Norden führt durch den Kiefernwald und oft durch die Wolkendecke hindurch. Oben scheint dann die Sonne. Dieser Moment gehört zu den eindrucksvollsten der Insel.

Wer wo besser aufgehoben ist

  • Sie wollen im Winter Sonne und Pool: Süden oder Westküste. Im Norden ist das Risiko grauer Tage zwischen November und März spürbar höher.
  • Familie mit kleinen Kindern: Süden – wegen der geschützten Strände und der kurzen Fahrt vom Flughafen.
  • Wandern steht im Mittelpunkt: Norden. Anaga, das Orotava-Tal und der Teide liegen vor der Tür.
  • Städte, Märkte, kanarische Küche: Norden, am besten Puerto de la Cruz oder La Laguna.
  • Surfen mit Wind: El Médano.
  • Ruhe, aber trotzdem Sonne: die Westküste.
  • Urlaub ohne Mietwagen: Beide Seiten sind per Linienbus gut erschlossen. Im Süden erreichen Sie Strand und Restaurants zu Fuß, im Norden bietet Puerto de la Cruz die kürzesten Wege.

Zwei Unterkünfte statt einer

Bei zehn Tagen oder mehr lohnt es sich, den Aufenthalt zu teilen. Viele Reisende beginnen im Norden mit Wanderungen und Stadtbesuchen und hängen einige Badetage im Süden an. Die umgekehrte Reihenfolge hat einen Haken: Nach einer Woche Sonne fällt der erste bewölkte Vormittag im Norden stärker auf.

Bei einer Woche ist ein Standort mit Tagesausflügen meist entspannter. Rechnen Sie dann ehrlich: Wer vom Süden aus dreimal in den Norden fährt, verbringt etliche Urlaubsstunden auf der Autobahn. Ob Teneriffa überhaupt die richtige Insel für Ihre Pläne ist, klärt der Überblick Welche Kanareninsel passt zu mir?.

Häufige Fragen

Ist es im Norden von Teneriffa viel kälter als im Süden?

Nein. Die Lufttemperaturen an der Küste unterscheiden sich nur um wenige Grad. Der Norden ist aber häufiger bewölkt und feuchter, weshalb er sich kühler anfühlt, vor allem im Winter und am Abend.

Kann man im Norden im Meer baden?

Ja, an bewachten Stränden und bei ruhiger See. Die Brandung ist dort stärker als im Süden, und Badeverbote kommen öfter vor. Beachten Sie die Flaggen. Meerwasserbecken und Naturpools sind eine sichere Alternative.

Lohnt sich ein Mietwagen?

Für einen reinen Badeurlaub im Süden brauchen Sie keinen. Wenn Sie beide Inselhälften, den Teide und abgelegene Bergdörfer sehen möchten, sparen Sie mit einem Auto viel Zeit. Die Bergstraßen sind gut ausgebaut, aber kurvenreich und stellenweise schmal.

Wo ist es im Sommer angenehmer?

Das ist Geschmackssache. Im Süden ist es heißer und fast immer sonnig, im Norden mildert die Wolkendecke die Wärme. Wer Hitze schlecht verträgt, fühlt sich im Juli und August im Norden oft wohler.

Lesen Sie auch

Quellen

  1. UNESCO World Heritage Centre: Teide National Park. Welterbeliste, Eintragung 2007.
  2. UNESCO World Heritage Centre: San Cristóbal de La Laguna. Welterbeliste, Eintragung 1999.
  3. UNESCO, Programm „Der Mensch und die Biosphäre“ (MAB): Biosphärenreservat Macizo de Anaga, Anerkennung 2015.
  4. Agencia Estatal de Meteorología (AEMET), Instituto de Meteorologia de Portugal: Atlas climático de los archipiélagos de Canarias, Madeira y Azores. Temperatura del aire y precipitación (1971–2000). 2012.