Die Kanaren gelten als ein Reiseziel, tatsächlich sind es acht bewohnte Inseln mit sehr unterschiedlichem Charakter: von kilometerlangen Sandstränden bis zu Nebelwäldern und Vulkanlandschaften. Dieser Überblick hilft Ihnen, wenn Sie zum ersten Mal auf die Kanaren reisen oder nach einer Insel suchen, die besser zu Ihren Urlaubsplänen passt als die letzte: Sie erfahren, was jede Insel ausmacht, für wen sie sich eignet und worauf Sie bei der Planung achten sollten.
Die Kanaren im Überblick
Die Kanarischen Inseln liegen im Atlantik vor der Nordwestküste Afrikas und bilden eine autonome Gemeinschaft Spaniens. Sie gehören damit zur Europäischen Union, bezahlt wird mit dem Euro. Die Uhren gehen gegenüber Deutschland das ganze Jahr über eine Stunde nach.
Zu den sieben großen Inseln – Teneriffa, Fuerteventura, Gran Canaria, Lanzarote, La Palma, La Gomera und El Hierro – kommt die kleine Insel La Graciosa nördlich von Lanzarote, die seit 2018 offiziell als achte bewohnte Insel gilt. Alle Inseln sind vulkanischen Ursprungs, was man der Landschaft fast überall ansieht.
Für die Wahl der Insel ist ein Punkt besonders wichtig: das Klima innerhalb der Inseln. Der Nordostpassat bringt feuchte Luft an die Nordseiten der höheren Inseln. Dort ist es grüner, aber auch häufiger bewölkt. Die Südseiten liegen im Windschatten der Berge und sind trockener und sonniger. Deshalb befinden sich die meisten Badeorte im Süden.
Teneriffa: die vielseitigste Insel
Teneriffa ist die größte Insel des Archipels und bietet die größte Bandbreite. In der Inselmitte erhebt sich der Teide, mit 3.715 Metern der höchste Berg Spaniens. Der Nationalpark rund um den Vulkan gehört seit 2007 zum UNESCO-Welterbe, ebenso wie die Altstadt von San Cristóbal de La Laguna, die bereits 1999 aufgenommen wurde.
Der Süden mit seinen Ferienorten steht für Sonne und Strand, der Norden für grüne Täler, alte Städte und das Anaga-Gebirge mit seinen Lorbeerwäldern. Wer den Gipfel des Teide zu Fuß erreichen möchte, braucht für das letzte Wegstück eine Genehmigung, die vorab beantragt werden muss. Die Plätze sind begrenzt, planen Sie das also frühzeitig ein.
Passt zu Ihnen, wenn Sie Baden, Wandern und Ausflüge verbinden möchten und sich nicht auf eine Urlaubsart festlegen wollen.
Gran Canaria: Stadt, Dünen und Berge
Gran Canaria wird oft als „Miniaturkontinent“ bezeichnet, weil sich auf engem Raum sehr verschiedene Landschaften finden. Im Süden liegen die Dünen von Maspalomas und die großen Badeorte, im Inselinneren ein zerklüftetes Bergland mit dem markanten Felsen Roque Nublo. Die Kulturlandschaft Risco Caído und die heiligen Berge von Gran Canaria stehen seit 2019 auf der Welterbeliste der UNESCO.
Mit Las Palmas de Gran Canaria hat die Insel außerdem eine echte Großstadt mit Stadtstrand, Altstadtviertel und einem lebendigen Alltag jenseits des Tourismus.
Passt zu Ihnen, wenn Sie Strandurlaub mit Stadtleben und Tagesausflügen ins Gebirge kombinieren möchten.
Fuerteventura und Lanzarote: Strände und Vulkane
Fuerteventura
Fuerteventura ist die Insel der langen, hellen Sandstrände. Die Landschaft ist karg und weit, die Berge sind niedrig, Wälder gibt es nicht. Dafür finden Sie hier die Dünen von Corralejo im Norden und die ausgedehnten Strände der Halbinsel Jandía im Süden. Weil fast immer Wind weht, ist die Insel bei Windsurfern, Kitesurfern und Wellenreitern besonders beliebt.
Passt zu Ihnen, wenn für Sie der Strand im Mittelpunkt steht oder Sie Wassersport treiben möchten. Wer viel Abwechslung in der Landschaft sucht, ist auf anderen Inseln besser aufgehoben.
Lanzarote
Lanzarote ist von Vulkanausbrüchen geprägt, vor allem von den Eruptionen der Jahre 1730 bis 1736, deren Lavafelder heute den Nationalpark Timanfaya bilden. Der Künstler und Architekt César Manrique hat das Erscheinungsbild der Insel stark mitgeprägt: weiße, niedrige Häuser und Bauwerke, die in die Lavalandschaft eingefügt sind. Die gesamte Insel ist seit 1993 UNESCO-Biosphärenreservat.
Passt zu Ihnen, wenn Sie außergewöhnliche Landschaften, Architektur und Kunst schätzen und zwischendurch baden möchten.
La Palma, La Gomera und El Hierro: die grünen, ruhigen Inseln
La Palma
La Palma trägt den Beinamen „La Isla Bonita“, die schöne Insel. Sie ist steil, grün und ein klassisches Wanderziel. Im Zentrum liegt der Nationalpark Caldera de Taburiente, ein riesiger Erosionskessel. Auf dem Roque de los Muchachos stehen wegen des klaren, dunklen Nachthimmels internationale Sternwarten. Beim Vulkanausbruch 2021 am Höhenzug Cumbre Vieja wurden im Westen der Insel zahlreiche Häuser und Straßen zerstört. Die Folgen sind dort bis heute sichtbar.
Passt zu Ihnen, wenn Sie vor allem wandern und Natur erleben möchten. Die Strände sind klein und aus dunklem Lavasand.
La Gomera
La Gomera erreichen die meisten Reisenden mit der Fähre von Teneriffa aus. Das Herz der Insel ist der Nationalpark Garajonay mit seinem Lorbeerwald, der seit 1986 zum UNESCO-Welterbe zählt. Tiefe Schluchten ziehen sich von der Inselmitte bis zum Meer, große Hotelanlagen gibt es kaum.
Passt zu Ihnen, wenn Sie Ruhe suchen, gern wandern und auf Nachtleben verzichten können.
El Hierro
El Hierro ist die kleinste der sieben großen Inseln und die abgelegenste. Die gesamte Insel ist seit dem Jahr 2000 UNESCO-Biosphärenreservat. Sandstrände sind selten, dafür gibt es Naturschwimmbecken an der Lavaküste und im Süden bei La Restinga ein bekanntes Tauchrevier.
Passt zu Ihnen, wenn Sie Abgeschiedenheit schätzen und bereit sind, für die Anreise einen Umstieg in Kauf zu nehmen.
La Graciosa: die kleine achte Insel
La Graciosa liegt nördlich von Lanzarote und ist nur per Schiff erreichbar, in der Regel vom Hafen Órzola aus. Asphaltierte Straßen gibt es nicht, die Wege bestehen aus Sand. Viele Besucher kommen für einen Tagesausflug, um zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu den Stränden zu gelangen.
Passt zu Ihnen, wenn Sie einen Lanzarote-Urlaub um einen Tag oder einige sehr ruhige Tage ergänzen möchten.
So finden Sie Ihre Insel: eine Entscheidungshilfe
- Baden und lange Sandstrände: Fuerteventura, der Süden von Gran Canaria, der Süden von Teneriffa.
- Wandern: La Palma, La Gomera, Teneriffa (Teide und Anaga), das Bergland von Gran Canaria.
- Wind- und Wellensport: Fuerteventura, außerdem Teile von Lanzarote und Teneriffa.
- Familien mit Kindern: Teneriffa, Gran Canaria und Fuerteventura bieten die meisten familienfreundlichen Unterkünfte und flach abfallende Strände.
- Kultur und Architektur: Lanzarote, La Laguna auf Teneriffa, Las Palmas auf Gran Canaria.
- Ruhe und wenig Trubel: El Hierro, La Gomera, La Graciosa.
- Tauchen: El Hierro, daneben Tauchplätze auf Lanzarote und Teneriffa.
Wenn Sie sich nicht entscheiden können, wählen Sie eine Insel als Basis und verbinden sie mit einer Nachbarinsel. Naheliegende Kombinationen sind Teneriffa und La Gomera oder Lanzarote und Fuerteventura, die jeweils durch kurze Fährstrecken verbunden sind.
Praktisches zur Planung
- Einreise: Für deutsche Staatsangehörige genügt ein gültiger Personalausweis oder Reisepass. Aktuelle Hinweise veröffentlicht das Auswärtige Amt in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen für Spanien.
- Anreise: Die größeren Inseln werden aus Deutschland direkt angeflogen. Die kleineren Inseln erreichen Sie meist mit Umstieg, per Inselflug oder Fähre.
- Reisezeit: Die Temperaturen sind das ganze Jahr über mild, deshalb sind die Kanaren auch im Winter ein beliebtes Ziel. In höheren Lagen ist es deutlich kühler als an der Küste, auf dem Teide kann im Winter Schnee liegen.
- Calima: Gelegentlich trägt der Wind Staub aus der Sahara auf die Inseln. Dann ist die Luft trüb und es wird ungewöhnlich warm. Meist hält diese Wetterlage nur wenige Tage an.
- Mietwagen: Auf fast allen Inseln lohnt sich ein Auto, wenn Sie mehr sehen möchten als den Ferienort. Die Bergstraßen sind kurvenreich, planen Sie für Fahrten großzügig Zeit ein.
- Sonnenschutz: Durch den Wind fühlt sich die Sonne oft schwächer an, als sie ist. Denken Sie auch an bewölkten Tagen an Sonnenschutz.
Häufige Fragen
Welche Kanareninsel eignet sich für den ersten Besuch?
Teneriffa und Gran Canaria sind gute Einstiegsinseln, weil sie Strände, Berge, Städte und eine gute Infrastruktur vereinen. Wenn Sie in erster Linie baden möchten, ist auch Fuerteventura eine naheliegende Wahl.
Auf welcher Insel ist es am wärmsten?
Die Unterschiede zwischen den Inseln sind geringer als die Unterschiede innerhalb einer Insel. Entscheidend ist die Lage: Die Südküsten sind in der Regel sonniger und trockener als die Nordküsten, und mit der Höhe sinkt die Temperatur spürbar.
Kann man mehrere Inseln in einem Urlaub besuchen?
Ja. Zwischen den Inseln verkehren Fähren und Inselflüge. Für eine Woche sind zwei Inseln realistisch, bei längeren Reisen auch drei. Zu viele Wechsel kosten vor allem Reisezeit.
Gibt es auf allen Inseln Sandstrände?
Nein. Helle Sandstrände finden Sie vor allem auf Fuerteventura, Gran Canaria, Lanzarote und La Graciosa. Auf La Palma, La Gomera und El Hierro überwiegen dunkle Lavastrände, Kiesbuchten und Naturschwimmbecken.
Lesen Sie auch
- Entdecke die Vielfalt: Inselhopping auf den Kanaren
- Entdecke die Schönheit der Kanaren: Traumhafte Wanderungen für jeden Geschmack
- Traumhafte Strandferien auf den Kanaren: Entspannung und Abenteuer warten!
- Entdecken Sie die schönsten Sehenswürdigkeiten der Kanaren
Quellen
- UNESCO World Heritage Centre: Teide National Park (Welterbeliste, Eintragung 2007).
- UNESCO World Heritage Centre: Garajonay National Park (Welterbeliste, Eintragung 1986).
- UNESCO World Heritage Centre: San Cristóbal de La Laguna (Welterbeliste, Eintragung 1999).
- UNESCO World Heritage Centre: Risco Caido and the Sacred Mountains of Gran Canaria Cultural Landscape (Welterbeliste, Eintragung 2019).
- Auswärtiges Amt: Spanien – Reise- und Sicherheitshinweise.