Zwei Inseln, die auf der Karte fast aneinanderstoßen, zwei Flughäfen, ähnliche Flugzeiten ab Deutschland, im Winter beide meist trocken und mild. Warum fällt die Wahl dann so schwer? Weil sich Lanzarote und Fuerteventura vor Ort völlig anders anfühlen. Die eine ist schwarz, rot und streng gestaltet, die andere hell, weit und vom Wind geformt. Wer vor der Buchung steht, findet hier die Unterschiede, die im Urlaub wirklich zählen.
Zwei Vulkaninseln, zwei Landschaften
Lanzarote lebt von seinen Vulkanen. Zwischen 1730 und 1736 brach hier über Jahre die Erde auf, Lava begrub Dörfer und Felder im Südwesten der Insel. Das Ergebnis ist heute der Nationalpark Timanfaya, die „Feuerberge“: Kegel in Rot, Schwarz und Ocker, dazwischen kaum ein Grashalm. Die UNESCO hat die gesamte Insel 1993 zum Biosphärenreservat erklärt.
Fuerteventura ist die ältere Insel. Wind und Wasser haben die Berge über Millionen von Jahren abgetragen, übrig sind runde, sandfarbene Hügel und weite Ebenen. Auch hier ist die Insel Biosphärenreservat, seit 2009. Dazu kommen Dünenfelder und eine Küste, an der ein Strand in den nächsten übergeht.
Lanzarote schaut man sich an, auf Fuerteventura läuft man los.
Strand: Weite gegen Buchten
Wer vor allem im Sand liegen will, ist auf Fuerteventura besser aufgehoben. Im Norden bei Corralejo breiten sich Dünen aus, die zum Naturpark gehören, im Süden der Halbinsel Jandía zieht sich der Strand von Sotavento über viele Kilometer. Bei Flut bleibt dort eine flache Lagune zurück, in der Kinder planschen und Kitesurfer üben. Der Strand ist so lang, dass sich die Menschen verlaufen.
Lanzarote hat weniger Sand, dafür mehr Kulisse. Die Playas de Papagayo im Süden sind kleine, geschützte Buchten mit hellem Sand und klarem Wasser; die Zufahrt führt über eine Piste. In Playa Blanca und Puerto del Carmen gibt es Stadtstrände mit Promenade. Dunkle Lavastrände wie in El Golfo sehen eindrucksvoll aus, zum Baden sind sie weniger gedacht.
Wind: Segen oder Störfaktor?
Beide Inseln liegen im Passat, und beide haben ihn oft. Auf Fuerteventura bestimmt er den Tag. Am Strand von Sotavento und bei Corralejo wehen die Winde so beständig, dass Windsurfer und Kitesurfer aus aller Welt anreisen; auch Wellenreiter finden an der Nordwestküste ihre Spots. Für Sonnenanbeter heißt das: Ein Windschutz gehört ins Gepäck, und das Wasser fühlt sich auch im Sommer frisch an.
Auf Lanzarote weht es ebenfalls, die Insel ist allerdings kleiner und stärker von Hügeln gegliedert. Windgeschützte Ecken lassen sich leichter finden. Die Bauern in La Geria haben daraus eine Kunst gemacht: Sie pflanzen die Reben in Mulden in der Vulkanasche und umgeben sie mit niedrigen Steinmauern. So wächst Wein, wo es kaum regnet.
Zu beiden Inseln kommt gelegentlich Saharastaub. Was das für Ihre Planung bedeutet, steht im Beitrag Calima auf den Kanaren.
Sehenswertes: Was Sie auf Lanzarote tun können
Lanzarote hat mehr Programm. Der Künstler und Architekt César Manrique (1919–1992) prägte die Insel wie kein anderer. Auf seine Initiative blieben Werbetafeln und hohe Hotelbauten weitgehend aus, die Häuser sind weiß mit grünen oder blauen Türen. Von ihm gestaltet sind unter anderem die Jameos del Agua, eine Grotte in einer Lavaröhre mit Konzertsaal, der Kaktusgarten und der Mirador del Río im Norden mit Blick auf die Nachbarinsel La Graciosa.
Im Timanfaya-Nationalpark ist man nur im Bus unterwegs; die Rundfahrt führt über eine Straße durch die Mondlandschaft und startet am Besucherzentrum. Zu Fuß geht es nur mit geführten Routen. Im Gegenzug lernen Sie ein Stück Erde kennen, das noch heute heiß ist.
Sehenswertes: Was Sie auf Fuerteventura tun können
Auf Fuerteventura besteht das Programm eher aus Draußensein. Von Corralejo aus fahren Boote zur Isla de Lobos, einer kleinen Insel mit Wanderwegen und ruhigen Badebuchten. Im Inselinneren lohnt Betancuria, die ehemalige Hauptstadt, im 15. Jahrhundert gegründet und in einem Tal verborgen, vor Piraten geschützt. Wer gern wandert, findet an der Westküste und auf der Halbinsel Jandía lange, wenig besuchte Wege.
Abends bleibt es ruhiger als auf Lanzarote. Die Ferienorte Corralejo, Caleta de Fuste und Costa Calma bieten Restaurants und Bars, aber kein Nachtleben im großen Stil.
Für wen passt welche Insel?
- Familien mit kleinen Kindern: eher Fuerteventura. Flache Strände, Lagune, viel Platz.
- Wassersportler: klar Fuerteventura. Wind, Wellen und Schulen an jedem größeren Strand.
- Neugierige mit Mietwagen: Lanzarote. Auf kleiner Fläche liegen Vulkane, Wein, Kunst und Küste nah beieinander.
- Wer einfach nur Ruhe sucht: beide, aber in unterschiedlicher Form. Ruhige Strände in Fuerteventuras Süden, ruhige Dörfer im Norden Lanzarotes.
Für alle, die sich nicht entscheiden wollen: Zwischen Playa Blanca auf Lanzarote und Corralejo auf Fuerteventura verkehren Fähren, die Überfahrt dauert etwa eine halbe Stunde. Zeiten und Preise ändern sich, sehen Sie vor der Reise nach. Eine Nacht auf jeder Insel oder ein Tagesausflug sind machbar, mehr zum Inselwechsel lesen Sie unter Entdecke die Vielfalt: Inselhopping auf den Kanaren.
Wann reisen?
Beide Inseln gehören zu den trockensten der Kanaren. Der Winter ist mild, mit Tagestemperaturen, bei denen Sie tagsüber im T-Shirt unterwegs sein können, abends brauchen Sie eine Jacke. Im Sommer ist es heiß, aber der Passat sorgt für Abkühlung. Zum Baden ist der Atlantik fast das ganze Jahr kühl. Wie sich Wetter und Klima über die Monate verteilen, zeigt Beste Reisezeit für die Kanaren.
Häufige Fragen
Welche Insel ist besser für einen Strandurlaub?
Fuerteventura. Die Strände sind länger, breiter und sandiger. Lanzarote hat schöne Buchten, aber weniger Fläche zum Liegen.
Brauche ich auf Lanzarote einen Mietwagen?
Die Sehenswürdigkeiten liegen über die ganze Insel verteilt. Mit dem Auto sind Sie flexibel. Wer nur im Ferienort bleibt und ein paar Ausflüge bucht, kommt auch ohne aus.
Ist der Wind auf Fuerteventura immer so stark?
Er weht oft, aber nicht jeden Tag gleich stark. Morgens ist es meist ruhiger, am Nachmittag frischt es auf. Suchen Sie sich eine Unterkunft mit Windschutz oder einen Strand an der geschützten Seite.
Kann ich beide Inseln auf einer Reise kombinieren?
Ja, per Fähre zwischen Playa Blanca und Corralejo. Planen Sie mindestens drei Nächte pro Insel ein, sonst verbringen Sie mehr Zeit mit Packen als am Strand.
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Quellen
- UNESCO: Lanzarote Biosphere Reserve. Programm „Der Mensch und die Biosphäre“ (MAB), Ausweisung 1993.
- UNESCO: Fuerteventura Biosphere Reserve. Programm „Der Mensch und die Biosphäre“ (MAB), Ausweisung 2009.
- Organismo Autónomo Parques Nacionales (Spanien): Parque Nacional de Timanfaya.
