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La Gomera als Tagesausflug von Teneriffa: lohnt sich das?

Von der Promenade in Los Cristianos aus sieht La Gomera zum Greifen nah aus: ein dunkler, runder Buckel am Horizont, abends mit der Sonne dahinter. Rund 30 Kilometer Wasser liegen dazwischen. Die Fähre braucht dafür etwa eine Stunde, und so steht der Abstecher bei vielen Teneriffa-Urlaubern früher oder später auf dem Zettel. Ob ein einzelner Tag der Insel gerecht wird, hängt davon ab, was Sie dort vorhaben und wo auf Teneriffa Sie wohnen. Dieser Beitrag hilft Ihnen bei der Entscheidung und bei der Planung.

Die Überfahrt ist der einfache Teil

Die Schiffe nach La Gomera legen in Los Cristianos im Süden Teneriffas ab und kommen in San Sebastián de La Gomera an, der Inselhauptstadt an der Ostküste. Mehrere Verbindungen am Tag machen es möglich, morgens hinüberzufahren und abends zurück zu sein. Die genauen Abfahrtszeiten ändern sich je nach Saison und Wochentag. Prüfen Sie sie kurz vor der Reise, denn von der letzten Rückfahrt hängt Ihr ganzer Tagesplan ab.

Der Kanal zwischen den Inseln ist offener Atlantik. An ruhigen Tagen gleitet das Schiff hinüber, bei kräftigem Passat schaukelt es spürbar. Wer empfindlich ist, sitzt in der Schiffsmitte und auf einem unteren Deck am ruhigsten. Mit etwas Glück sehen Sie unterwegs Delfine oder Grindwale.

La Gomera hat auch einen kleinen Flughafen im Süden der Insel, der von Teneriffa Nord aus angeflogen wird. Für einen Tagesausflug spielt er kaum eine Rolle: Er liegt abseits, und die Fähre bringt Sie direkter ans Ziel.

Warum die Insel größer ist, als sie aussieht

Auf der Karte wirkt La Gomera winzig, ein fast kreisrunder Fleck mit gut 20 Kilometern Durchmesser. Die Entfernungen täuschen. Vom Hochland in der Mitte ziehen sich tiefe Schluchten, die Barrancos, sternförmig bis ans Meer. Eine Küstenstraße rund um die Insel gibt es deshalb nicht. Wer von einem Tal ins nächste will, fährt erst hinauf und dann wieder hinunter.

Ein Beispiel: Von San Sebastián bis ins Valle Gran Rey an der Westküste sind Sie mit dem Auto gut eine Stunde unterwegs, in Kurven, die volle Aufmerksamkeit verlangen. Hin und zurück sind das mehr als zwei Stunden Ihres Tages. Das ist die Rechnung, an der viele Tagespläne scheitern.

Was in einen Tag passt

Realistisch ist eine Route durch den Osten und die Mitte der Insel. Sie verlangt wenig Fahrzeit und zeigt trotzdem die drei Gesichter La Gomeras: die Hafenstadt, den Nebelwald und die grünen Täler im Norden.

  1. Hinauf zum Roque de Agando. Die Straße von San Sebastián ins Hochland führt direkt an diesem Felsturm vorbei, dem erstarrten Schlot eines alten Vulkans. Mehrere Aussichtspunkte liegen am Weg.
  2. Nationalpark Garajonay. Planen Sie hier den größten Teil des Tages ein, mindestens für eine kurze Wanderung.
  3. Hermigua und Agulo. Auf dem Rückweg durch den Norden kommen Sie durch das Bananental von Hermigua. Agulo, ein kleines Dorf auf einer Terrasse über dem Meer, liegt wenige Minuten weiter. Oberhalb ragt am Mirador de Abrante ein gläserner Balkon über die Steilwand, mit Blick auf den Teide gegenüber.
  4. San Sebastián zum Schluss. Die Altstadt beginnt gleich hinter dem Hafen. So bleiben Sie in der Nähe des Schiffs.

Valle Gran Rey, die Strände im Süden und die Basaltsäulen Los Órganos an der Nordküste, die man nur vom Boot aus sieht, lassen Sie an einem einzigen Tag besser weg.

Garajonay: ein Wald, der in den Wolken steht

Das Hochland der Insel bedeckt ein immergrüner Lorbeerwald, wie er vor Jahrmillionen rund ums Mittelmeer wuchs und dort längst verschwunden ist. Auf La Gomera hat er überlebt, weil der Passat fast täglich Wolken gegen die Hänge drückt. Die Bäume kämmen die Feuchtigkeit aus dem Nebel, sie tropft von den Blättern, Moos und Flechten hängen von den Ästen. Der Nationalpark nimmt etwa ein Zehntel der Inselfläche ein und gehört seit 1986 zum UNESCO-Welterbe.

Für Tagesgäste eignen sich zwei Ziele. Am Rastplatz La Laguna Grande beginnt ein kurzer, ebener Rundweg durch den Wald, den auch Kinder gut schaffen. Wer lieber einen Gipfel möchte, steigt zum Alto de Garajonay auf, mit 1.487 Metern der höchste Punkt der Insel. Der Weg von den Parkplätzen an der Höhenstraße ist kurz und nicht schwierig. Bei klarer Sicht sehen Sie von oben Teneriffa, La Palma und El Hierro.

Rechnen Sie mit Nebel. Im Wald ist es deutlich kühler als am Hafen, dazu feucht und windig. Eine Jacke und feste Schuhe gehören in den Rucksack, auch wenn in Los Cristianos morgens die Sonne brennt. Im Sommer 2012 hat ein Waldbrand einen Teil des Parks zerstört; an manchen Hängen sehen Sie die Spuren noch.

San Sebastián: ein Hafen mit Geschichte

Die Hauptstadt ist klein, an einem Nachmittag haben Sie sie gesehen. Im Park hinter dem Strand steht die Torre del Conde, ein Wehrturm aus dem 15. Jahrhundert. Zwei Straßen weiter liegt die Kirche Nuestra Señora de la Asunción. Christoph Kolumbus nahm hier 1492 Wasser und Vorräte an Bord, bevor er nach Westen segelte. Die Stadt erinnert bis heute an vielen Ecken daran.

Vielleicht hören Sie auf der Insel den Silbo Gomero. Diese Pfeifsprache überträgt gesprochenes Spanisch in Pfiffe, die über die Schluchten hinweg zu verstehen sind. Früher verständigten sich so Hirten und Bauern. Heute lernen die Kinder auf La Gomera den Silbo in der Schule, und die UNESCO führt ihn seit 2009 als immaterielles Kulturerbe.

Probieren Sie vor der Abfahrt Almogrote, eine würzige Paste aus gereiftem Käse, Paprika und Öl, die auf Brot gestrichen wird. Typisch sind außerdem Kressesuppe und Palmhonig, ein dunkler Sirup aus dem Saft der Kanarischen Dattelpalme.

Mietwagen, Bustour oder zu Fuß?

Drei Wege führen über die Insel, und jeder hat einen Haken.

  • Organisierte Tagestour. In den Ferienorten im Süden Teneriffas werden Busausflüge mit Fähre, Rundfahrt und Mittagessen angeboten. Sie müssen sich um nichts kümmern und kommen sicher zum Schiff zurück. Dafür bestimmt der Bus das Tempo, und für eine Wanderung bleibt selten Zeit.
  • Mietwagen. Damit sind Sie frei. Die Fähren nehmen Autos mit, doch viele Vermieter auf Teneriffa schließen die Überfahrt im Vertrag aus oder verlangen eine Zusatzvereinbarung. Fragen Sie nach, bevor Sie buchen. Einfacher ist es oft, als Fußgänger überzusetzen und am Hafen von San Sebastián einen Wagen zu übernehmen. Reservieren Sie ihn vorab.
  • Linienbus und zu Fuß. Die Inselbusse fahren nur wenige Male am Tag. Für einen Tagesausflug taugt das kaum. Ohne Auto bleibt Ihnen San Sebastián mit seinem Stadtstrand, was für einen ruhigen Tag am Meer genügen kann.

Wann sich eine Übernachtung mehr lohnt

Ein Tagesausflug lohnt sich, wenn Sie im Süden Teneriffas wohnen, früh aufstehen mögen und mit einem ersten Eindruck zufrieden sind. Sie sehen den Wald, zwei Dörfer und die Hauptstadt. Das ist viel für einen Tag.

Anders sieht es aus, wenn Ihre Unterkunft im Norden liegt. Von Puerto de la Cruz bis zum Hafen in Los Cristianos fahren Sie über eine Stunde, und das zweimal. Der Tag wird lang. Mehr zur Lage der beiden Inselhälften lesen Sie unter Teneriffa: Norden oder Süden – wo wohnen?.

Wanderer sollten ohnehin bleiben. Die schönsten Wege der Insel führen durch die Schluchten hinab zum Meer und brauchen einen halben oder ganzen Tag. Schon eine Nacht ändert die Rechnung: Sie fahren ohne Blick auf die Uhr ins Valle Gran Rey und erleben die Insel am Abend, wenn die Tagesgäste abgereist sind. Dann wird es still.

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Fähre von Teneriffa nach La Gomera?

Etwa eine Stunde, je nach Schiff und Seegang etwas kürzer oder länger. Alle Fähren starten in Los Cristianos und legen in San Sebastián de La Gomera an.

Muss ich die Fähre im Voraus buchen?

Als Fußgänger bekommen Sie außerhalb der Ferienzeiten meist auch kurzfristig einen Platz. Mit Auto, an Wochenenden und in den Ferien ist eine Reservierung sinnvoll. Nehmen Sie Ihren Ausweis mit, er wird beim Einsteigen verlangt.

Ist der Ausflug mit Kindern machbar?

Ja, wenn Sie die Route kurz halten. Die Überfahrt und der Wald gefallen den meisten Kindern, die vielen Kurven dazwischen weniger. Planen Sie Pausen ein und beschränken Sie sich auf den Nationalpark und San Sebastián.

Welche Jahreszeit eignet sich am besten?

Der Ausflug ist das ganze Jahr über möglich. Im Winter ist die See häufiger unruhig, und im Hochland regnet es öfter. Wie sich das Wetter auf den Inseln über das Jahr verteilt, steht im Beitrag Beste Reisezeit für die Kanaren.

Lesen Sie auch

Quellen

  1. UNESCO World Heritage Centre: Garajonay National Park. Welterbeliste, Eintragung 1986.
  2. UNESCO: Whistled language of the island of La Gomera (Canary Islands), the Silbo Gomero. Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit, Eintragung 2009.